Kfz-Reparaturen sind Vertrauenssache, nicht zuletzt nach einem unverschuldeten Unfall. Dass der Geschädigte sein Auto gerne in seiner Stammwerkstatt reparieren lassen möchte, ist dabei nachvollziehbar. Laut einem Urteil des Amtsgerichts (AG) Hohenstein-Ernstthal vom 15. November 2017 kann er das beschädigte Auto tatsächlich in die Werkstatt seines Vertrauens bringen lassen, selbst wenn eine andere Markenwerkstatt näher am Unfallort wäre. Ungeachtet seiner Schadenminderungspflicht sind in die Gesamtbetrachtung alle anderen Folgekosten einzuberechnen, die höhere Abschleppkosten am Ende rechtfertigen (AZ: 4 C 430/17).

Im verhandelten Fall forderte der Kläger restlichen Schadenersatz aus einem Verkehrsunfall. Verklagt war die unfallgegnerische Kfz-Haftpflichtversicherung. Der Kläger ließ sein Fahrzeug nach dem Schaden in seine Heimatwerkstatt des Vertrauens bringen, wofür ihm 470,25 in Rechnung gestellt wurden. Diese kürzte die Beklagte vorgerichtlich um 230,25 Euro.

Vor dem AG Hohenstein-Ernstthal obsiegte die Klägerin vollumfänglich und bekam restlichen Schadenersatz in Höhe von 230,25 Euro zugesprochen.

„Der Kläger hat Anspruch auf Erstattung weiterer 230,25 Euro Abschleppkosten, denn er war entgegen der Auffassung der Beklagten zur Überzeugung des Gerichts berechtigt, nach dem Unfall sein beschädigtes Fahrzeug in seine Heimatwerkstatt des Vertrauens abschleppen zu lassen. Er muss sich keinesfalls auf die nächstgelegene Markenwerkstatt verweisen lassen. Das unfallgeschädigte Fahrzeug war zum Unfallzeitpunkt noch keine vier Jahre alt. Deshalb hat der Kläger zur Überzeugung des Gerichts das Recht, das noch junge Fahrzeug in jener Werkstatt instandsetzen zu lassen, die schon immer das Fahrzeug gewartet hatte.

Gemäß dem Urteilstenor greift ein Verweis der Versicherung auf die Schadenminderungspflicht oftmals zu kurz. Es genügt nicht, die einzelne Schadenposition isoliert zu betrachten, vielmehr ist es erforderlich, sämtliche Kosten zu berücksichtigen, die – wie hier mit den Abschleppkosten – in Zusammenhang stehen.

Eine Reparatur am heimatfernen Unfallort kann fraglos zu höheren Mietwagenkosten sowie Kosten der Rückführung des Fahrzeugs führen. Zu beachten und gegenzurechnen sind jedoch immer auch die weiteren möglichen Folgekosten. Dazu zählt insbesondere die Geltendmachung von Gewährleistungsrechten, wenn eine Reparatur mangelhaft erfolgt sein solle. Hierfür spielen Zumutbarkeitserwägungen eine Rolle.

Stand: März 2018
Wir benutzen Cookies

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.