Geschädigte dürfen eigens beauftragtes Gutachten heranziehen

Unfallgeschädigte dürfen ein eigenes Gutachten in Auftrag geben und müssen – sofern dieses eine korrekte Werteermittlung erkennen lässt – nicht auf ein Restwertangebot der Versicherung des Verursachers warten. Das Amtsgericht (AG) Herford schloss sich mit seinem Urteil vom 10. August 2017 (AZ: 12 C 1227/15) der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH) an.

Im verhandelten Fall stritten die beiden Parteien um restlichen Schadenersatz aus einem Verkehrsunfall. Das von dem Geschädigten bei der Klägerin beauftragte Schadengutachten ergab einen Wiederbeschaffungswert von 8.800 Euro und einen Restwert von 1.400 Euro.

Der Unfall ereignete sich am 24. Januar 2015, das Gutachten wurde am 28. Januar 2015 erstellt. Einen Tag später forderte die Beklagte den Geschädigten auf, den Pkw erst nach Rücksprache zu veräußern, da häufig höhere Restwertangebote zu erzielen seien. Dieses Schreiben ging beim Geschädigten am 02. Februar 2015 ein.

Ob der Geschädigte den Pkw am 02. Februar 2015 an die Klägerin zum Preis von 1.550 Euro veräußerte, blieb streitig. Die Beklagte übermittelte dem Geschädigten mit Schreiben vom 23. Februar 2015 ein Restwertangebot in Höhe von 2.610 Euro. Auf dieser Grundlage erfolgte auch die Schadenabrechnung.

Die auf Zahlung des restlichen Wiederbeschaffungsaufwandes gerichtete Klage hatte Erfolg.

Die Aussage des Gerichts
Das AG Herford holte zunächst ein schriftlichen Sachverständigengutachten ein. Die Beweisaufnahme ergab zur Überzeugung des Gerichts, dass das von der Klägerin erstellte Gutachten eine korrekte Werteermittlung erkennen lässt.

Das Gericht nimmt Bezug auf die Entscheidung des BGH (Urteil vom 27.09.2016, AZ: VI ZR 673/15). Danach kann der Geschädigte sein beschädigtes Kraftfahrzeug zu einem Preis veräußern, den ein von ihm eingeschalteter Sachverständiger in einem Gutachten, das eine korrekte Werteermittlung erkennen lässt, als Wert auf dem allgemeinen, regionalen Markt ermittelt hat.

Ein Restwert kann dadurch nachvollzogen werden, wenn aus Sicht eines Aufkäufers kalkuliert wurde. Der gerichtliche Sachverständige kam zu dem Ergebnis, dass der Restwert seriös kaum über 1.550 Euro angenommen werden könne, sodass die regionalen Angebote sich als gut nachvollziehbar darstellen. An dem Fahrzeug lagen zudem massive und tief gehende Beschädigungen vor, die nicht nur zu einem hohen Reparaturrisiko führen, sondern auch den Wert des Fahrzeugs hinsichtlich einer Teileverwertung ganz erheblich verringern.

Stand: September 2017
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