Ein Online-Kauf verschafft dem Käufer nicht immer ein gesetzliches Widerrufsrecht. Diese Erfahrung hat ein Kunde gemacht, der einen Fahrzeug auf einer Webseite beworben sah und daraufhin telefonisch Kontakt mit dem Autohaus (dem späteren Beklagten) aufgenommen hat.

Der Autohändler schickte dem Kunden ein Bestellformular für dieses Fahrzeug per E-Mail und wies ihn in der E-Mail darauf hin, dass der Kaufvertrag erst mit schriftlicher Bestätigung oder Übergabe des Fahrzeugs zustande komme.

Der Kunde mailte das Bestellformular als unterschriebenen Scan zurück und überwies den Kaufpreis. Zehn Monate nach Abholung des Autos wollte der Kunde die Rückabwicklung des Vertrags und behauptete dabei, ihm stünde ein Widerrufsrecht zu, da es sich um einen Fernabsatzvertrag gehandelt habe, da der Pkw online angeboten worden sei und auch die Kommunikation digital erfolgt sei.

Der Kfz-Händler wehrte sich dagegen mit dem Argument, dass er keinen organisierten Versandhandel betreibe.
Das Landgericht Osnabrück (Urteil v. 16.09.2019, Az. 2 O 683/19) gab dem Autohaus Recht: ein Fernabsatzgeschäft setze zwingend eine organisierte Struktur zum Versand der Ware voraus. Dies sei nicht der Fall, wenn das beklagte Autohaus zwar den Pkw online beworben und über E-Mail und Telefon verkauft habe, jedoch explizit auf die Abholung am Firmensitz bestanden habe.

Allerdings ist unter Umständen das letzte Wort noch nicht gesprochen, denn der Kläger kann noch Berufung beim Oberlandesgericht einlegen. Ihre Kfz-Innung wird Sie in diesem Fall darüber auf dem Laufenden halten.

Stand: Dezember 2019
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