Löst sich ca. 100 km nach dem Radwechsel bei der Fahrt das ausgewechselte Rad, trifft den Kunden auch dann kein Mitverschulden an dem daraufhin entstandenen Schaden, wenn er es trotz eines Hinweises in der Werkstattrechnung auf die Notwendigkeit eines Nachziehens der Radmuttern nach 50 km unterlassen hat, den festen Sitz der Radmuttern zu kontrollieren.

Dieses hat das OLG München in seinem Urteil vom 19.05.2021 (Az. 7 U 2338/20) entschieden.

Fazit

1. Nach der Entscheidung des OLG München scheint ein ordnungsgemäßer Hinweis auf eine Kontrolle und/oder Nachziehen der Radmuttern nach einem Reifenwechsel, z.B. auf der Werkstattrechnung, rechtlich nicht erforderlich zu sein, weil er kein geeignetes Mittel ist, um im Falle der Missachtung des Hinweises ein Mitverschulden des Kunden zu begründen. Dennoch empfiehlt sich ein solcher Hinweis, um auch im Interesse des Kunden möglichen Schäden infolge des Lösens von Räder vorzubeugen. Außerdem könnten geschädigte Kunden im Falle der Ausserachtlassung des Hinweises gerade wegen der Missachtung davon absehen, den Rechtsweg gegen die Werkstatt zu beschreiten.

2. Von einem Mitverschulden des Kunden ist nach einem Urteil des LG Heidelberg aus dem Jahr 2012 aber jedenfalls dann auszugehen, wenn der Kunde etwa auf die durch gelockerte Schrauben unvermeidlich auftretenden Geräusche nicht reagiert hat.

Stand: Febr. 2022
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